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Früherkennung

Früherkennungs-Untersuchungen

Heutzutage werden immer mehr Früherkennungsuntersuchungen angeboten. Früherkennungsuntersuchungen richten sich an Menschen, die sich nicht krank fühlen. Sie haben das Ziel, Krankheiten in einem frühen Stadium zu entdecken, in dem sie noch keine Beschwerden verursachen. Eine frühzeitige Behandlung ist sinnvoll, wenn sie zu besseren Ergebnissen führt als eine später einsetzende Behandlung. Früherkennungsuntersuchungen werden in der Fachsprache häufig als „Screening“ bezeichnet (aus dem Englischen: Screening = Durchsiebung).

Einige gelten als sinnvoll, andere sind umstritten. Es gibt Früherkennungsuntersuchungen für die unterschiedlichsten Erkrankungen. Jede Untersuchung sollte daraufhin geprüft werden, welchen Nutzen und Schaden sie bringen kann. Wie bei fast allen medizinischen Maßnahmen gilt es, die möglichen Vor- und Nachteile abzuwägen, bevor man sich selbst für oder gegen eine Teilnahme entscheidet.

Welche Früherkennungs-Untersuchungen bei Erwachsenen bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen

  • Hautkrebs-Screening: Dabei wird die Haut unter einer hellen Lampe untersucht. Bei einem Verdacht schickt der Arzt Gewebeproben an ein Labor. Das Screening können Männer und Frauen ab 35 alle zwei Jahre in Anspruch nehmen.
  • Test auf Blut im Stuhl: Hier geben Patienten drei Tage hintereinander Stuhlproben beim Arzt ab. Ziel ist es, bei der Untersuchung Blut zu finden, das mit bloßem Auge nicht zu erkennen ist. Es kann ein Hinweis auf eine bösartige Veränderung der Darmschleimhaut sein. Zusätzlich ertastet der Arzt den Enddarm. Die Untersuchung können Männer und Frauen zwischen 50 und 55 Jahren einmal im Jahr machen lassen.
  • Darmspiegelung: Dabei wird der Dickdarm mit einem dünnen Schlauch samt Kamera untersucht. Wucherungen, die Krebsvorstufen sein können, kann der Arzt bereits während der Spiegelung entfernen. Die Kontrolle steht Männern und Frauen ab 55 Jahren zweimal zu – im Abstand von mindestens zehn Jahren.
  • Prostata-Untersuchung: Dabei ertastet der Arzt bei Männern die Prostata vom Enddarm aus. Auch das äußere Genital und die umliegenden Lymphknoten werden abgetastet. Die Untersuchung können Männer ab 45 Jahren einmal im Jahr vornehmen lassen.
  • Untersuchung auf Gebärmutterhalskrebs: Dabei werden bei Frauen das äußere Genital, Gebärmuttermund und Gebärmutterhals betrachtet. Zellabstriche werden im Labor auf Krebszellen untersucht. Die Untersuchung können Frauen ab 20 Jahre jedes Jahr machen lassen.
  • Tastuntersuchung der Brust: Dabei ertasten Frauenärzte beide Brüste und die umliegenden Lymphknoten und betrachten die Haut. Frauen steht diese Untersuchung ab 30 Jahren einmal pro Jahr zu
  • Mammografie-Screening: Bei der Röntgenuntersuchung der Brust erkennen Ärzte bereits kleinste Gewebeänderungen, die ein Hinweis auf Krebs sein können. Zu dieser Untersuchung werden alle Frauen von 50 bis 70 Jahren alle zwei Jahre per Brief eingeladen.
  • Gesundheits-Check-Up für Männer und Frauen ab 35 Jahren mit Schwerpunkt Früherkennung von Herz-Kreislauf und Nierenerkrankungen sowie von Diabetes: Anamnese, körperliche Untersuchung, Überprüfung von Blut- und Urin-Werten, Beratungsgespräch. Der Gesundheits-Check-Up kann alle zwei Jahre in Anspruch genommen werden.
  • Chlamydien-Screening: Jährliche Untersuchung auf genitale Chlamydia trachomatis-Infektionen bei Frauen bis zu 25 Jahren, die sexuell aktiv sind.

Früherkennungs-Untersuchungen sind sinnvoll – aber nicht immer

Nicht alle Früherkennungsuntersuchungen verbessern die Gesundheit. Sie können auch nutzlos sein oder gar schaden. Darauf weist das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hin. Es lohnt sich also, die Vor- und Nachteile von Früherkennungsuntersuchungen abzuwägen, bevor man sich für oder gegen eine Teilnahme entscheidet.

Möglichkeiten der Früherkennung werden oft überschätzt

Krankheiten früh zu erkennen ist erst sinnvoll, wenn sie dadurch besser behandelt werden können. Doch das ist nicht immer der Fall: Vorsorgeuntersuchungen versprechen das Vermeiden von Erkrankungen oder die Sicherheit auf Heilung und wecken dadurch Hoffnungen. Dieses Versprechen wird aber nicht immer eingelöst.

Früherkennung kann in falscher Sicherheit wiegen

An einer Früherkennungsuntersuchung teilzunehmen, kann sinnvoll sein, wenn die Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung ab einem bestimmten Alter hoch ist und es eine zuverlässige Untersuchungsmethode sowie wirksame Behandlungen gibt. In Deutschland wird beispielsweise allen Schwangeren ein HIV-Test angeboten. Denn wenn eine werdende Mutter von ihrer Infektion weiß und entsprechende Maßnahmen in Anspruch nimmt, kann eine Übertragung auf das Baby in den allermeisten Fällen verhindert werden.

Doch kein Test und keine Untersuchung ist perfekt: Einerseits kann irrtümlich etwas Verdächtiges festgestellt werden, obwohl in Wirklichkeit gar keine Erkrankung vorliegt. Andererseits können trotz Test und Untersuchungen Erkrankung übersehen werden. Deshalb ist es wichtig, Beschwerden ernst zu nehmen und ärztlich abklären zu lassen, auch wenn bei der letzten Früherkennungsuntersuchung alles in Ordnung schien.

Mehr ist nicht immer besser

Eine Krankheit durch eine Untersuchung früh zu entdecken, ist nicht automatisch von Vorteil. Wenn eine frühere Diagnose und Behandlung nicht zu besseren gesundheitlichen Ergebnissen führt, verlängert sich nur die Zeit, in der jemand in Sorge lebt und behandelt wird – ohne davon zu profitieren.  Patientinnen und Patienten haben immer auch ein Recht auf Nichtwissen, vor allem dann, wenn sich aus dem Wissen kein gesundheitlicher Nutzen ergibt. Das gilt beispielsweise für genetische Tests auf Erkrankungen, für die es noch gar keine wirksame Behandlung gibt.

Hingehen oder nicht? Nützliche Hilfen bei der Entscheidung

Informationen auf gesundheitsinformation.de, dem Gesundheitsportal des IQWiG

Das IQWiG hat jetzt auf seiner Website Gesundheitsinformation.de allgemeine Informationen zu den Prinzipien der Früherkennung veröffentlicht, die bei der Entscheidung für oder gegen eine Teilnahme helfen können. Außerdem gibt es hier einen Überblick über Früherkennungsuntersuchungen, die von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden.

Was Sie über Früherkennungsuntersuchungen wissen sollten

Früherkennung: Welche Untersuchungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt?

Auch auf der Seite des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gibt es eine Zusammenstellung der Früherkennungsuntersuchungen, die zulasten der GKV angeboten werden.

Beratung

Wenn Sie Fragen zu bestimmten Früherkennungsuntersuchungen haben oder Entscheidungshilfe bei der Frage benötigen, ob Sie an einer Früherkennungsuntersuchung teilnehmen sollen oder nicht, können Sie sich unabhängig beraten lassen.

Unabhängige Patientenstellen in NRW:

Patientenstelle Bielefeld
Email-Adresse: bielefeld@patientenstellen.de
Telefon: 0521 / 13 35 61

Patientenstelle Köln
Email-Adresse: koeln@patientenstellen.de
Telefon: 0221 / 32 87 24

Bei Fragen zu krebsbezogenen Früherkennungsuntersuchungen können Sie sich an eine der Krebsberatungsstellen in NRW wenden. Die Kontaktdaten einer Krebsberatungsstellen in Ihrer Nähe finden Sie hier.