{"id":346,"date":"2009-08-27T15:44:29","date_gmt":"2009-08-27T13:44:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.patientennetz.net\/patientennetz_0509\/wordpress\/?page_id=346"},"modified":"2025-02-24T22:30:45","modified_gmt":"2025-02-24T21:30:45","slug":"gute-medizin","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.patientennetz.net\/?page_id=346","title":{"rendered":"Gute Medizin"},"content":{"rendered":"<h3>Was ist gute Medizin? Informationen zu evidenz- und leitlinienbasierter Medizin<\/h3>\n<h4>Inhalt<\/h4>\n<ul>\n<li>Was ist gute Medizin?<\/li>\n<li>Evidenzbasierte Medizin &#8211; Ann\u00e4herung an einen Begriff<\/li>\n<li>Patientenorientierte Behandlungsleitlinien<\/li>\n<li>Evidenzbasierte Patienteninformationen und Leitlinien im Internet<\/li>\n<li>Diskussionspapier des PatientInnen-Netzwerk NRW<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong> Was ist gute Medizin? &#8211; Eine Einf\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Deutschland hat eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt, aber wie steht es mit seiner Qualit\u00e4t? Zwei Beispiele aus dem medizinischen Alltag zeigen, wie sich Fragen an die Qualit\u00e4t medizinischer Leistungen stellen:<\/p>\n<ul>\n<li>Frauen in den Wechseljahren wurden zum Teil jahrelang mit Hormonen behandelt, mit der Begr\u00fcndung, dass sich dadurch bestimmte Erkrankungen, z.B. Osteoporose vermeiden lassen. Seitdem in den USA eine gro\u00df angelegte Studie zu den Wirkungen der Hormontherapie abgebrochen wurde, weil die langj\u00e4hrige Einnahme von Hormonen zu mehr Thrombosen, Brustkrebs, Herz-Kreislauf- und Demenzerkrankungen f\u00fchrten, ist diese Therapie mehr als umstritten. Jetzt wird empfohlen, Hormone in den Wechseljahren nur in ganz bestimmten F\u00e4llen und in jedem Fall so kurz und so niedrig dosiert wie m\u00f6glich einzunehmen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li>Ein Viertel bis ein Drittel der Infektionen in Krankenh\u00e4usern, die f\u00fcr Patienten schwere Erkrankungen oder gar den Tod bedeuten k\u00f6nnen, w\u00e4re durch ein richtiges Hygienemanagement vermeidbar (vgl. Gesundheit + Gesellschaft, Heft 7\/2000, S. 8f.).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Auff\u00e4lligkeiten, denen weitere Beispiele hinzugef\u00fcgt werden k\u00f6nnten, provozieren Fragen nach den Grundlagen und der Qualit\u00e4t medizinischer Diagnostik und Therapie.<\/p>\n<p><strong>Die gute Medizin<\/strong><\/p>\n<p>Aber worin besteht nun die gute Medizin? Oder: Wie bestimmt man die Qualit\u00e4t medizinischer Leistungen? Das ist nicht immer einfach. Nehmen wir beispielsweise einen Bluthochdruckpatienten. Er erh\u00e4lt von seinem Arzt ein Medikament zur Behandlung. Besteht gute Medizin darin, dass dieses Medikament nachweislich den Blutdruck senkt, dass es einen Herzinfarkt verhindert oder dass es zu einem gr\u00f6\u00dferen Wohlbefinden des Patienten beitr\u00e4gt?<\/p>\n<p>Alles auf einmal, m\u00f6chte man sagen. Doch h\u00e4ufig geht das nicht: Nutzen, Risiken und Nebenwirkungen von Behandlungen m\u00fcssen gegeneinander abgewogen werden. Und die Entscheidung dar\u00fcber, ob etwa der hohe Nutzen der Behandlung oder ihre geringen Nebenwirkungen wichtiger sind, kann letztlich nur der betroffene Patient f\u00e4llen.<\/p>\n<p>Um eine informierte und in ihrer ganzen Tragweite erfasste Entscheidung treffen zu k\u00f6nnen, brauchen Patientinnen und Patienten Unterst\u00fctzung. Sie brauchen \u00c4rzte und \u00c4rztinnen, die sie mit ihren W\u00fcnschen ernst nehmen. Sie brauchen verst\u00e4ndliche und leicht zug\u00e4ngliche Informationen \u00fcber die Erkrankung. Sie brauchen Beratungsstellen ihres Vertrauens, und sie brauchen die Sicherheit fachlicher Standards.<\/p>\n<p>Diese Standards m\u00fcssen aus dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung abgeleitet werden, der Erfahrung des Arztes und den W\u00fcnschen von Patienten. Mit der Frage, wie man diese Faktoren kontinuierlich in den Behandlungsalltag einbringen kann, besch\u00e4ftigt sich die so genannte &#8222;evidenzbasierte Medizin&#8220;.<\/p>\n<p><strong> Evidenzbasierte Medizin &#8211; Ann\u00e4herung an einen Begriff<\/strong><\/p>\n<p>Evidenzbasierte Medizin ist die eingedeutschte Fassung des aus dem englischen stammenden Begriffes &#8222;evidence based medicine&#8220;. Bei der \u00dcbertragung des Begriffes geht jedoch ein Teil der Bedeutung verloren. W\u00e4hrend das deutsche Wort Evidenz f\u00fcr eine offensichtliche Erkenntnis steht, bedeutet &#8222;evidence&#8220; im Englischen auch Beweis.<\/p>\n<p>&#8222;Evidence based medicine&#8220; steht f\u00fcr eine Methode, wie medizinische Entscheidungen auf Patientenw\u00fcnsche, individuelle klinische Erfahrung und externe Beweise aus systematischer Forschung gest\u00fctzt werden k\u00f6nnen (Sackett und andere in: British Medical Journal 1996, Bd. 312, S, 71-72).<\/p>\n<p>Eine angemessene deutsche \u00dcbersetzung k\u00f6nnte &#8222;beweisgest\u00fctze Medizin&#8220; lauten.<\/p>\n<p><strong> Die Medizin im &#8222;Alltagstrott&#8220;<\/strong><\/p>\n<p>Das Verfahren der &#8222;beweisgest\u00fctzen Medizin&#8220; wurde von Wissenschaftlern entwickelt, die feststellten, dass in der medizinischen Praxis viele Entscheidungen getroffen werden, weil &#8222;man das immer schon so gemacht hat&#8220;. So werden beispielsweise Kinder mit Mittelohrentz\u00fcndung fast immer mit Antibiotika behandelt. Etwa 75 Prozent der Kinder gesunden jedoch auch ohne Antibiotika, so das British Medical Journal (2001, Bd. 322, S. 336-342). Eine britisch Studie stellte fest, dass eine Antibiotikabehandlung zwar daf\u00fcr sorgte, dass die Kinder besser schliefen, sich der Krankheitsverlauf jedoch kaum ver\u00e4nderte.<\/p>\n<p>Nach Einsch\u00e4tzung pessimistischer Experten der medizinischen Wissenschaft sind etwa 80 Prozent aller \u00e4rztlichen Entscheidungen eher subjektiv-intuitiv gepr\u00e4gt und \u00fcberwiegend aus der Praxis abgeleitet als wissenschaftlich und objektivierbar begr\u00fcndet (Deutsches \u00c4rzteblatt 97, Heft 49, S. A-3316).<\/p>\n<p>F\u00fcr die Behandler\/-innen ist es jedoch beim besten Willen kaum m\u00f6glich, \u00fcber das verf\u00fcgbare medizinische Wissen auf dem Laufenden zu bleiben. T\u00e4glich ver\u00f6ffentlichen etwa 5.500 Fachartikel die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien. Behandler\/-innen m\u00fcssten in der Lage sein, 19 wissenschaftliche Aufs\u00e4tze am Tag an 365 Tagen im Jahr nicht nur zu lesen, sondern auch zu bewerten und in ihre Praxis zu integrieren (British Medical Journal 1996, Bd. 312, S, 71-72). Britische \u00c4rzte gaben an, dass sie sich mit dieser Arbeit in der Regel weniger als eine Stunde pro Woche besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p><strong>EBM als Methode<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr viele ist die Methode der &#8222;evidence based medicine&#8220; (EBM) eine M\u00f6glichkeit mit diesem Problem umzugehen. Sie soll gew\u00e4hrleisten, dass der Stand der wissenschaftlichen Forschung einfach verf\u00fcgbar und in der allt\u00e4glichen medizinischen Praxis einsetzbar ist. F\u00fcr Sackett, einer der &#8222;V\u00e4ter&#8220; dieser Methode, ist die evidenzbasierte (beweisgest\u00fctze) Medizin die bewusste, ausdr\u00fcckliche und verst\u00e4ndliche Nutzung der jeweils besten Beweise bei Entscheidungen \u00fcber die Versorgung von einzelnen Patienten.<br \/>\nDie Methode der EBM besteht darin, aus dem Gespr\u00e4ch mit dem Patienten oder der Patientin heraus Fragen zu formulieren, sich \u00fcber die verf\u00fcgbaren wissenschaftlichen Studien zu informieren, diese Informationen im Lichte der eigenen Erfahrungen sowie der individuellen Situation und der W\u00fcnsche des Patienten zu bewerten und daraus eine Behandlungsstrategie zu entwickeln und in die Praxis umzusetzen. Wissenschaftliche Beweise k\u00f6nnen dabei die Erfahrung des Arztes erg\u00e4nzen, aber nicht ersetzen (Sackett et al. in: British Medical Journal 1996, Bd. 312, S, 71-72).<\/p>\n<p>Dieses st\u00e4ndige Hinterfragen g\u00e4ngiger Behandlungsstrategien kann nat\u00fcrlich in der allt\u00e4glichen Praxis nicht f\u00fcr jeden einzelnen Patienten angewandt werden. Aber nach und nach k\u00f6nnte jede\/r Behandler\/-in sein Wissen aktualisieren.<\/p>\n<p>In ihrem Bem\u00fchen, beweisgest\u00fctzte Medizin zu praktizieren werden die Behandler\/-innen unterst\u00fctzt. So sammelt etwa die Cochrane Collaboration alle verf\u00fcgbaren medizinischen Studien und wertet sie nach vorgegebenen Kriterien aus. Die Ergebnisse dieser Evaluation werden in einer Zeitschrift, im Internet und auf einer CD-ROM ver\u00f6ffentlicht. Eine andere Form der Unterst\u00fctzung besteht in der Entwicklung und Verbreitung von Behandlungsleitlinien, wie sie im folgenden Abschnitt vorgestellt werden.<\/p>\n<p><strong>Patientenorientierte Behandlungsleitlinien<\/strong><\/p>\n<p>Eine M\u00f6glichkeit, den Stand der Forschung zuverl\u00e4ssiger und verbreiteter in die allt\u00e4gliche medizinische Praxis zu \u00fcbertragen und damit die Qualit\u00e4t medizinischer Leistungen zu verbessern, sieht etwa der Sachverst\u00e4ndigenrat der konzertierten Aktion im Gesundheitswesen in der Erstellung von Leitlinien. Leitlinien sollen die medizinische Entscheidungen erleichtern, indem sie f\u00fcr angemessen erachtete Formen der Diagnose und Therapie, gewichtet nach Beweiskraft vorhandener Studien, ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p><strong> Was steht in einer Leitlinie?<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>In der Regel gehen Leitlinien von einem bestimmten Symptom oder einer Krankheit aus. Sie grenzen das vorliegende medizinische Problem gegen andere ab, beschreiben angemessene Verfahren der Diagnose, gehen auf unterschiedliche Formen und Verl\u00e4ufe der Krankheit ein und stellen die wissenschaftlich abgesicherten zur Verf\u00fcgung stehenden Behandlungsm\u00f6glichkeiten dar.<\/p>\n<p>Dabei sollten Leitlinien folgende Fragen beantworten (vgl. Leitlinien f\u00fcr Leitlinien, Stand Feb 2000, AWMF):<\/p>\n<ul>\n<li>Was ist notwendig? D.h., welche Behandlung muss ein Arzt seinem betroffenen Patienten anbieten, um die Krankheit zu heilen und ggf. gef\u00e4hrliche Verl\u00e4ufe zu vermeiden.<\/li>\n<li>Was ist in Einzelf\u00e4llen n\u00fctzlich? D.h., welche Ma\u00dfnahmen helfen dem betroffenen Patienten erwartungsgem\u00e4\u00df am ehesten.<\/li>\n<li>Was ist \u00fcberfl\u00fcssig? D.h., welche m\u00f6glichen und praktizierten Behandlungsformen tragen erfahrungsgem\u00e4\u00df nicht zum Behandlungsziel bei.<\/li>\n<li>Was ist obsolet (veraltet)? D.h., welche Behandlungsmethoden entsprechen nicht mehr dem medizinischen Standard.<\/li>\n<li>Was muss station\u00e4r behandelt werden?<\/li>\n<li>Was kann ambulant behandelt werden?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Allgemeinmedizin hat erg\u00e4nzend festgelegt, dass nicht die maximalen relevanten Behandlungsm\u00f6glichkeiten dargestellt werden sollen (vgl. DEGAM 1999).<\/p>\n<p><strong>Wie entsteht eine Leitlinie?<\/strong><\/p>\n<p>Leitlinien werden in der Regel von speziell eingerichteten Arbeitsgruppen erstellt, an denen Experten aus unterschiedlichen Fachbereichen beteiligt sind.<\/p>\n<p>Die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) hat dazu einen 3-stufigen Prozess entwickelt. Zun\u00e4chst werden Leitlinien in einer repr\u00e4sentativ zusammengesetzten Expertengruppe erarbeitet. Diese Leitlinien der Stufe 1 werden dann in einem sogenannten Konsensverfahren beraten und als Leitlinien der Stufe 2 verabschiedet. In dieses Konsensverfahren werden weitere Experten und Anwender einbezogen. Auf der 3. Stufe der Entwicklung werden dann u.a. systematisch die Logik der Behandlungsleitlinien, die Konsensfindung, die Bewertung wissenschaftlicher Beweise und die vom Patienten gew\u00fcnschten Ergebnisse in die Erstellung der Leitlinie einbezogen.<br \/>\nInzwischen verzeichnet die Arbeitsgemeinschaft der medizinischen Fachgesellschaften rund 1.000 Leitlinien, die sich \u00fcberwiegend auf Stufe 1 der geschilderten Entwicklung befinden. Sie sind von sehr unterschiedlicher Qualit\u00e4t, wie etwa vom Sachverst\u00e4ndigenrat kritisiert wird (s.u.), obwohl es vereinbarte Qualitit\u00e4skritien gibt.<\/p>\n<p><strong>Leitlinien f\u00fcr Leitlinien<\/strong><\/p>\n<p>Die Bundes\u00e4rztekammer und die Kassen\u00e4rztliche Bundesvereinigung haben im Juni 1997 Beurteilungskriterien f\u00fcr Leitlinien in der medizinischen Versorgung verabschiedet (vgl. Deutsches \u00c4rzteblatt 94, Heft 33, S. A2154-2155). Danach sind Leitlinien Orientierungshilfen im Sinne von &#8222;Handlungs- und Entscheidungskorridoren&#8220;, von denen in begr\u00fcndeten F\u00e4llen abgewichen werden kann oder sogar muss\u00a0 (DEGAM 1999, Konzept zur Entwicklung, Verbreitung, Implementierung und Evaluation von Leitlinien f\u00fcr die haus\u00e4rztliche Praxis, D\u00fcsseldorf im Internet unter: www.degam.de)<\/p>\n<p>Folgende Qualit\u00e4tskriterien von Leitlinien wurden vereinbart (vgl. dazu auch DEGAM 1999):<\/p>\n<ul>\n<li>Transparenz: Die Ziele, die Erstellungsbedingungen, die zugrundeliegenden Erkenntnisse, Quellen und Autoren werden klar genannt.<\/li>\n<li>G\u00fcltigkeit: Die Anwendung der Leitlinien f\u00fchrt zu den erw\u00fcnschten Gesundheitsergebnissen und -ausgaben.<\/li>\n<li>Zuverl\u00e4ssigkeit und Reproduzierbarkeit: Die Entwicklung von Leitlinien durch andere Experten f\u00fchrt zu gleichen Ergebnisse und die Leitlinien werden unter identischen Umst\u00e4nden gleich ausgelegt.<\/li>\n<li>Multidisziplin\u00e4re Entwicklung: Die Sichtweisen aller beteiligten Berufsgruppen wird ber\u00fccksichtigt.<\/li>\n<li>Anwendbarkeit: Die Zielgruppen der Leitlinie ist genau beschrieben und erfolgversprechende Situationen werden skizziert.<\/li>\n<li>Flexibilit\u00e4t: Erwartbare Ausnahmen werden genannt, Bed\u00fcrfnisse und W\u00fcnsche von PatientInnen ber\u00fccksichtigt.<\/li>\n<li>Klarheit, Eindeutigkeit. Die Leitlinien sind allgemeinverst\u00e4ndlich und pr\u00e4zise formuliert.<\/li>\n<li>Dokumentation der Leitlinienentwicklung, planm\u00e4\u00dfige \u00dcberpr\u00fcfung, \u00dcberpr\u00fcfung der Anwendung, Kosten-Nutzen-Verh\u00e4ltnis, Verf\u00fcgbarkeit der Leitlinie<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die \u00c4rztliche Zentralstelle f\u00fcr Qualit\u00e4tssicherung geht noch weiter: Sie ber\u00fccksichtigt dar\u00fcber hinaus, wer die Erstellung von Leitlinien finanziert, ob Interessenkollisionen bei den Erstellern und Unterst\u00fctzern von Leitlinien bestehen (z.B. ein Experte, der an der Entwicklung eines Medikamentes arbeitet, um das es in der Leitlinien u.a. geht). Die Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Allgemeinmedizin hat dar\u00fcber hinaus die zu erwartenden Ergebnisses in die Bewertung der Leitlinie einbezogen, d.h. Angaben dar\u00fcber, welche Gesundheitsergebnisse und damit verbunden Kosten unter Ber\u00fccksichtigung von Patientenw\u00fcnschen zu erwarten sind (vgl. DEGAM 1999, s.o.).<\/p>\n<p><strong>Das Behandlungsziel als Qualit\u00e4tsmerkmal: Beispiel f\u00fcr ein Bewertungsproblem<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Die Einhaltung der Qualit\u00e4tskriterien ist nicht immer einfach. Dies soll am Beispiel der Zieldefinition ausgef\u00fchrt werden, also an der Frage, welches Ziel hat eine Behandlung (vgl. AWMF und \u00c4ZQ 2000, S. 32ff.). Bis in die 1980er Jahre war es \u00fcblich, das Ziel einer Behandlung an objektiv messbaren Kriterien festzulegen. So galt es etwa die Zahl der Menschen, die an einer bestimmten Krankheit sterben, zu verringern, die Zahl der Wiedereinlieferungen ins Krankenhaus zu reduzieren, m\u00f6gliche Komplikationen einer Therapie zu vermeiden oder bessere durch Labortests oder bildgebende Verfahren nachgewiesene Befunde vorzuweisen. An diesen Ma\u00dfst\u00e4ben wurde kritisiert, da\u00df sie das subjektive Befinden von Patientinnen und Patienten au\u00dfer acht l\u00e4\u00dft. Diese Kritik wurde durch Studien unterst\u00fctzt, die feststellten, da\u00df die objektiven medizinischen Befunde und die subjektive Wahrnehmung von PatientInnen und Patienten zum Teil weit auseinander gingen. (AWMF und \u00c4ZQ 2000, Arbeits- gemeinschaft der Wissenschaft- lichen Medizinischen Fachgesell- schaften und \u00c4rztliche Zentralstelle f\u00fcr Qualit\u00e4tssicherung 2000: Das Leitlinien-Manual. Entwicklung und Implementierung von Leitlinien in der Medizin, in Zeitschrift f\u00fcr \u00e4rzt- liche Fortbildung und Qualit\u00e4ts- sicherung im Internet unter: www.uni-duesseldorf.de\/WWW\/AW MF\/ll\/llmanual.htm als vollst\u00e4ndige PDF-Datei oder unter www.leitlinien.de in Kapiteln).<\/p>\n<p>F\u00fcr Patientinnen war es beispielsweise viel wichtiger, inwieweit sie ihren Alltag bew\u00e4ltigen konnten, wie sie sich f\u00fchlten, inwieweit sie ihren sozialen Aktivit\u00e4ten nachgehen konnten, und anderes mehr. Das Leitlinienmanual der AWMF und der \u00c4ZQ und das Leitlinienkonzept der DEGAM (s.o.) fordern daher, dass bei Leitlinien den unterschiedlichen Sichtweisen von PatientInnen und \u00c4rzten sowie den individuell und kulturell gepr\u00e4gten Wertungen von Behandlungszielen Rechnung getragen werden mu\u00df. Au\u00dferdem sind die gew\u00e4hlten Ziele sowie die Gewichtungen klar zu benennen.<\/p>\n<p><strong>Diskussionspapier des PatientInnen-Netzwerk NRW<\/strong><\/p>\n<p>Behandlerinnen und Behandler sollen sich k\u00fcnftig verst\u00e4rkt an evidenzbasierten Leitlinien orientieren, wenn sie eine Diagnose stellen oder Therapie w\u00e4hlen. Diese Forderung nimmt in der gesundheitspolitischen Diskussion in Deutschland eine prominente Stelle ein: so etwa bei der Umsetzung von Disease Management Programmen. Ziel dieser Forderung ist es, die Qualit\u00e4t medizinischer Leistungen zu verbessern und die Transparenz des medizinischen Leistungsangebotes zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Patientinnen und Patienten teilen diese Ziele der evidenz- und leitlinienbasierten Medizin. Allerdings hat die Entwicklung, Umsetzung und Evaluierung von Leitlinien bislang \u00fcberwiegend in medizinischen Fachkreisen stattgefunden. Die Sichtweisen und Interessen von Patientinnen und Patienten sind dabei bislang allerdings nur unzureichend ber\u00fccksichtigt worden.<\/p>\n<p>Das PatientInnen-Netzwerk NRW hat daher im Januar 2003 ein Diskussionspapier ver\u00f6ffentlicht, das eine Einf\u00fchrung in das Thema &#8222;Evidenz- und leitlinienbasierte Behandlung&#8220; und die wichtigsten Forderungen an die Erstellung, Umsetzung und Evaluierung von Leitlinien aus der Sicht von Patientinnen und Patienten umfasst.<\/p>\n<p><strong>Evidenzbasierte Patienteninformationen und Leitlinien im Internet<\/strong><\/p>\n<p>Das \u00c4rztliche Zentrum f\u00fcr Qualit\u00e4t in der Medizin (\u00c4ZQ) informiert \u00fcber bestehende Leitlinien verschiedenster Anbieter, die Entstehung von Leitlinien und anderes mehr unter <a href=\"http:\/\/www.leitlinien.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.leitlinien.de<\/a><\/p>\n<p>Au\u00dferdem begutachtet die \u00c4ZQ in Kooperation mit dem Patientenforum Behandlungsinformationen f\u00fcr Patienten und Laien. Die Ergebnisse und wietere Informationen zu Qualit\u00e4t von Gesundheitsinformationen finden Sie unter <a href=\"http:\/\/www.patienten-information.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.patienten-information.de<\/a><\/p>\n<p>Das medizinische Wissensnetzwerk <a href=\"http:\/\/www.evidence.de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">evidence.de<\/a> der Universit\u00e4t Witten\/Herdecke ver\u00f6ffentlicht Patientenleitlinien, d.h. laienverst\u00e4ndliche, medizinische Informationen, die Ihnen helfen sollen, Krankheiten, Untersuchungs- und Behandlungsmethoden besser zu verstehen unter www.patientenleitlinien.de.<\/p>\n<p>Wenn Sie sich selbst auf die Suche nach Informationen zu einer Erkrankung oder zu Behandlungsm\u00f6glichkeiten machen, bedenken Sie bitte, dass nicht alle Anbieter derartiger Informationen seri\u00f6s und neutral arbeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was ist gute Medizin? 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